Pflegeeltern tragen täglich Verantwortung für ein Kind — und haben dabei kaum Rechte. Sie entscheiden über den Alltag, begleiten durch Krisen und geben einem Kind ein Zuhause. Rechtlich bleiben sie in einer schwachen Stellung: Sie sind in Verfahren, die ihr Kind betreffen, oft nicht Partei, erfahren Wesentliches spät oder zufällig, und das Pflegeverhältnis kann ohne festgestellte Gefährdung beendet werden.
Warum das die Kinder trifft
Ein Kind braucht die Sicherheit, bleiben zu dürfen. Wenn dieses Zuhause jederzeit und formlos infrage gestellt werden kann, trifft die Unsicherheit zuerst das Kind — und danach alle, die überlegen, ein Kind aufzunehmen. Der Mangel an Pflegefamilien ist deshalb keine Frage der Werbung, sondern eine Frage des Vertrauens. Rechtssicherheit ist der Kern der Reform, die wir fordern.
Was wir wollen
1. Die Obsorge kann übergehen
Lebt ein Kind auf Dauer in einer Pflegefamilie, muss die Obsorge auf die Pflegeeltern übergehen können — geregelt und ohne jahrelanges Verfahren.
2. Wer bleiben soll, muss bleiben dürfen
Ein bewährtes Pflegeverhältnis endet nur durch eine gerichtliche Entscheidung, nicht durch eine formlose Verfügung. Solange keine Gefährdung feststeht, bleibt das Kind, wo es zu Hause ist.
3. Parteistellung und echte Information
Pflegeeltern sind Partei in den Verfahren, die ihr Kind betreffen. Die Behörde informiert sie von sich aus — vollständig und nachweislich, nicht erst auf Nachfrage.
4. Über Kontakte entscheidet das Gericht
Kontaktregelungen sind eine gerichtliche Entscheidung. Sie werden nicht einseitig von der Behörde festgelegt oder verändert.
5. Gleichbehandlung
Wo Pflegefamilien dieselbe Aufgabe erfüllen wie andere Familien, stehen sie rechtlich gleich. Unterschiede brauchen einen sachlichen Grund.
6. Neutralität und Erhalt der Bindungen
Der Träger behandelt beide Pflegeelternteile gleich und wirkt aktiv darauf hin, dass dem Kind die Bindung zu beiden erhalten bleibt. Sein Auftrag ist der Erhalt der Bindungen, nicht ihre Auswahl.
7. Eingriffe nur bei Gefahr im Verzug — im Wortsinn
Ein sofortiger Eingriff setzt eine echte, unmittelbare Gefahr voraus. Alles andere gehört in ein Verfahren mit Gehör und Überprüfung.
8. Rechenschaft
Wo behördliches Handeln vermeidbares Leid verursacht, muss es dafür geradestehen. Wir fordern einen erleichterten Haftungs- und Schmerzensgeldanspruch.
Diese Forderungen sind im Reformpapier des Vereins vollständig ausgearbeitet und begründet — mit dem Stand der Wissenschaft und ausformulierten Gesetzesvorschlägen.
